Über uns

 

Seit 2005 wird im Wallfahrtsort Klausen an der Mosel im rheinland-pfälzischen Landkreis Bernkastel-Wittlich erfolgreich ein Dorfladen betrieben. Das Besondere daran ist, dass der Laden aus der Dorfgemeinschaft heraus im Rahmen eines sogenannten „Wirtschaftlichen Vereins“ organisiert ist. Die Gemeinde zählt rund 1.300 Einwohner.

Wie in vielen Orten, so auch in Klausen, schlossen im Laufe der Zeit aus den unterschiedlichsten Gründen die kleinen Lebensmittelgeschäfte. Die großen Discounter vor den Toren der Dörfer sind zu den neuen Einkaufstempeln auch für Teile der mobilen Landbevölkerung geworden. Diese Entwicklung hat jedoch auch ihre Schattenseiten, denn ein wichtiges Glied dörflichen Lebens geht mit dem Sterben der kleinen Läden in den Dörfern verloren. Es ist nicht so sehr das Fehlen einer Einkaufsmöglichkeit, sondern vielmehr der dörfliche Treffpunkt, der schleichend aber stetig verschwindet. Die Dinge, die in einem Dorf wichtig sind, ja gewissermaßen der Mehrwert gegenüber städtischer Anonymität, ist verloren gegangen. Übrig bleiben letztlich nur die Nachteile wie schlechte Verkehrsanbindung, fehlende Infrastruktur und aussterbende Dörfer.

Wie in Klausen versuchen viele ländliche Gemeinden sich gegen diese Entwicklung zu stemmen und erfinden dörfliche  Identität neu. Das bayrische „Mir san mir“ – Gefühl trifft auch hier ins Schwarze. Auf Hilfe von Aussen zu warten ist vergebens, die Dörfer müssen sich selbst helfen. Dazu sollten sie sich auf ihre Stärken und ihre Alleinstellungsmerkmale besinnen.

Es ist in erster Linie das soziale Miteinander und das soziale Netz, in dem man sich im Dorf geborgen fühlt. Das ist auch der wichtigste Unterschied zur städtischen Anonymität. Im Dorf interessiert man sich noch für den Nachbarn und lässt ihn nicht hängen, wenn es ihm einmal nicht so gut geht. Wichtiger Dorfmittelpunkt und Ort des Austauschs waren und sind die kleinen Lebensmittelläden in den Dörfern. Hier weiss man als erster, warum die Kirchenglocke geläutet hat, wer gestorben ist oder ob „Palzig  Maria“ noch immer im Krankenhaus ist. Hier erfährt man, ob Peter und Claudia nun doch endlich heiraten wollen und warum der Kirchenchor bei der Kirmesmesse nicht singen konnte.

Das ist es im Grunde, was dörfliche Lebensqualität ausmacht, das soziale Interesse am Mitmenschen. Soziales Miteinander braucht jedoch auch Orte der Begegnung. Dies können die neuen „Tante – Emma – Läden“ in vielen Dörfern leisten.

Leider finden sich für die neuen Dorfläden meist keine privaten Betreiber mehr, da von diesen Betrieben heute niemand mehr eine Familie ernähren kann. Zu groß ist die Konkurrenz der Discounter auf der grünen Wiese. Dass es dennoch funktionieren kann, beweist der Dorfladen in Klausen.

Auch im Wallfahrtsort drohte der Ortskern, in dem es noch vor 30 Jahren sieben gastronomische Betriebe und drei Läden gab, auszubluten. Leerstände inmitten des Ortskerns prägten zunehmend das Bild. Eine Abwärtsspirale war in Gang gekommen, die auch noch die verbliebenen Betriebe gefährdete, denn allein der optische Eindruck eines sterbenden Ortskerns genügt, um bei den Beobachtern und auch bei den Gästen ein negatives Bild zu hinterlassen. Wer möchte schon gerne draussen auf der Terasse eines Lokals sitzen und auf vor sich hin verfallende Ruinen schauen?

Eine Bürgerversammlung brachte den entscheidenden Impuls

2005 trafen sich etwa 40 Klausener Bürgerinnen und Bürger zur jährlichen Bürgerversammlung, um sich mit der Entwicklung im Dorf auseinanderzusetzen. Dabei wurde deutlich das Fehlen eines Ladens im Ortskern als Entwicklungshemmnis und auch als schmerzlicher Einschnitt an Lebensqualität im Dorf ausgemacht. Die Ortsgemeinde griff die Anregung auf und man bemühte sich zunächst einen neuen privaten Betreiber für einen Lebensmittelladen zu finden. Die Bemühungen liefen jedoch, wie auch nicht anders zu erwarten war, ins Leere.

Daraufhin nahm man Kontakt mit einer Arbeitsloseninitiative auf, die im Raum Trier bereits mit dem Aufbau von Läden begonnen hatte, mit dem Ziel, dort benachteiligte Personen beschäftigen zu können. Über ein halbes Jahr prüfte man die Möglichkeiten, auch in Klausen ein solches Modell auf die Beine zu stellen. Das Vorhaben scheiterte schließlich an einer negativen Wirtschaftlichkeitsprognose.

Daraufhin nahm die Gemeinde die Dinge selbst in die Hand und begann einen von der Gemeinde betriebenen Laden auf die Beine zu stellen. Man mietete einen leerstehenden Laden im Ortskern an, kaufte aus einer Ladenauflösung in einem anderen Ort die Ladeneinrichtung und setzte sich mit möglichen Lieferanten in Verbindung. Schnell füllten sich die Regale und man begann mit dem Verkauf. Auf Anhieb waren die Umsätze so, dass sich der Laden trug. Alles schien einen guten Weg zu nehmen, bis die Mühlen der Verwaltung in Bewegung kamen. Es meldete sich die kommunale Aufsichtsbehörde und wies auf den § 85 der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung hin. Dort ist festgelegt, in welchem Umfang und in welchen Bereichen sich eine Gemeinde wirtschaftlich betätigen darf. Der Betrieb eines Lebensmittelgeschäftes gehört dabei nicht zu den originären Aufgaben einer Gemeinde.

Es drohte die behördliche  Schließung des Ladens, der mittlerweile von der Dorfbevölkerung gut angenommen wurde. Nun begann eine Welle an Hilfsbereitschaft, auch seitens der Verwaltungen, eine  intensive Suche nach Lösungen. Heraus kam das Modell des sogenannten „Wirtschaftlichen Vereins“.

Nach behördlicher Prüfung ist es in Ausnahmefällen, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind, möglich, als Verein ein privatwirtschaftliches Unternehmen zu führen. Diese Bedingungen lagen nach Prüfung im Falle des Klausener Dorfladens vor und so gründete man kurzerhand den Verein „Unser Dorfladen Klausen w.V.“, der seither den Dorfladen betreibt. In diesem Verein sind etwa 50 Bürgerinnen  und Bürger aus Klausen und auch die Ortsgemeinde selbst Mitglied. Das Vereinsgeschehen unterscheidet sich dabei nicht grundlegend von anderen Vereinen, wie wir sie landauf landab kennen. Es gibt einen Vorstand und auch die jährliche Mitgliederversammlung. Einziger Unterschied zu anderen gemeinnützigen Vereinen ist hier, dass der Vereinszweck der Betrieb eines Unternehmens ist, welches wirtschaftliche, aber auch soziale Ziele verfolgt.

Mittlerweile beschäftigt der Verein 12 Personen aus Klausen als Minijobber im praktischen Ladenbetrieb. Der Laden erwirtschaftet einen beachtlichen Umsatz und ist aus dem dörflichen Leben in Klausen nicht mehr wegzudenken. Im Laden werden dabei nicht nur Lebensmittel verkauft, sondern auch Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger angeboten, die im Laufe der Jahre im Dorf weggebrochen sind. Oftmals bringen die Dienstleistungen für den Ladenbetrieb keinen wirtschaftlichen Nutzen, sind aber für das Dorf ein großer Gewinn. So kann man hier z.B. nach der Schließung der Postfiliale nun auch wieder Briefmarken kaufen, ohne dass der Laden daran etwas verdient. Vier kleine Tische im Laden laden zum Verweilen und zum Gespräch ein.

Ansonsten ist das Angebot im Laden sehr vielfältig. Es gibt alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. Großen Wert legt man auf regionale Produkte. So wird der Laden von einem Metzger aus dem Nachbardorf beliefert und auch die Backwaren stammen aus einer Bäckerei in der Nähe. Honig gibt es direkt vom Imker und Gemüse und Salat bietet man nach der Saison an. Auch das ist neu entdeckte Lebensqualität, dass man sich auf das Angebot der Saison freut und nicht das ganze Jahr über z.B. Erdbeeren kaufen kann.

Es sind die besonderen Begegnungen und persönlichen Erlebnisse, die im Laufe der Jahre gezeigt haben, dass sich dieser Weg gelohnt hat. So kam bei der Eröffnung des Ladens eine ältere Frau mit ihrem Rollator in den Laden und sagte zur Verkäuferin, dass sie so dankbar sei, nun hier wieder selbst einkaufen zu können. Ansonsten wäre nur noch der Weg ins Altersheim geblieben. Wenn es uns gelingt, auch nur einigen Menschen den etwas längeren Verbleib im Dorf in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen, so hat sich das Experiment Dorfladen gelohnt. In Klausen möchte man auf das Angebot nicht mehr verzichten.

Der Dorfladen Klausen hat 800 Artikel im Sortiment

  • Backartikel von der Bäckerei Adam und der Biobäckerei Rudolf
  • Fleischartikel von der Fleischerei Kaspari, Trittenheim
  • Lebensmittel – Trockensortiment von der Fa. Cames
  • Obst, Gemüse von der Fa. Pons, Trier
  • Salat, Gemüse, Kartoffeln von der Gefängnisgärtnerei Wittlich
  • Zeitungen und Zeitschriften von der Fa. Winarek
  • Frische Eier vom Hof Christian Wagner, Kordel
  • Wein vom Weingut Dirk Marmann, Osann-Monzel
  • Edelbrände von der Brennerei Michael Thul, Klausen
  • Geschenkartikel von der Fa. Abtsgarten, Klausen
  • Briefmarken, gelbe Säcke, rote Restmüllsäcke
  • Kartenvorverkaufsstelle für örtliche Veranstaltungen

Der Dorfladen hat täglich, auch am Sonntag, wie folgt geöffnet:

Montag 
7.30 Uhr – 12.30 Uhr (nachmittags geschlossen)
Dienstag – Samstag
7.30 Uhr – 18.00 Uhr
Sonntag
7.30 Uhr – 11.00 Uhr und 14.00 Uhr – 18.00 Uhr (nur Café)

 

Alois Meyer (Ortsbürgermeister)

Eberhardstr. 3

54524 Klausen

Tel. 06578/102905

Fax 06578/984438

E-Mail: gemeindeverwaltung@klausen.de

Homepage: www.klausen.de